Hättest Du es gewusst? Neues um den Löwenzahn (Taraxacum officinale)

Einleitung

Wer hat nicht schon einmal in seiner Jugend den Anblick von sich verteilenden Samen einer Pusteblume genossen? Um die Entstehung dieses Wunders noch einmal zu genießen, empfehlen wir sich den Transformationsvorgang des Löwenzahns einmal in Slow Motion anzusehen (https://www.zeitraffer.tv/naturzeitraffer/pflanzen/loewenzahn-bluete-waechst-pusteblume/). Der Anblick ist faszinierend. Hast Du gewusst, dass man den Löwenzahn im Volksmund auch „Pissnelke“ nennt? Diese sehr überspitzte Bezeichnung ist nur einer der vielen Namen, den die Heilpflanze im Laufe der Zeit erhalten hat und spielt auf ihre harntreibende Wirkung an. Hättest Du auch gewusst, dass diese oft so ignorant als Unkraut bezeichnete Pflanze in über 2800 Varianten auf unsrer Erde erscheint und scheinbar unendliches Potenzial zur Unterstützung unseres Körpers besitzt? Und dazu zählen Inhaltsstoffe in Wurzel, Stamm, Blätter und Blüte.

Food Synergy des Löwenzahns

Die Analyse des Löwenzahns hat eine Vielzahl von bioaktiven Substanzen gefunden. Als sekundäre Pflanzenstoffe zum Beispiel bietet die Pflanze eine reichhaltige Quelle für β-Carotin, das die Zellen vor Oxidation und Zellschäden schützt. Kürzlich identifizierte man auch die Chicorsäure (ein Polyphenol) als den am häufigsten vorkommenden Bestandteil von Löwenzahn in den Blättern und Stängeln, die Polyphenolkonzentration ist interessanterweise in Blüten und Blättern höher als in Stielen. Es gibt auch erhebliche saisonale Schwankungen, sogenannte Methylsterole sind im Winter stark vorhanden, während Sitosterol- und Cycloartenolester in Zeiten starker Sonneneinstrahlung häufiger vorkommen.

Sein Spektrum an Mikronährstoffen ist enorm. Verglichen mit einem Salat enthält er:

  • vierzig Mal so viel Betacarotin (Vitamin A)
  • neunmal so viel Vitamin C
  • viermal so viel Vitamin E
  • achtmal so viel Calcium
  • viermal so viel Magnesium
  • dreimal so viel Eisen und
  • die doppelte Menge an Proteinen.

Vorkommen und Einnahme

Wenn Du ihn wild sammelst, versuche diejenigen auszuwählen, von denen Du weißt, dass sie keinen Pestiziden, Düngemitteln und anderen Chemikalien ausgesetzt waren. Wähle ihn stattdessen von einer Bergwiese oder einem verlassenen Grundstück. Du kannst Samen kaufen oder sie von der Pusteblume sammeln, die Du jeden Sommer sehen kannst. Samen wachsen leicht in Deinem Garten, in Pflanzgefäßen oder in Töpfen. Löwenzahnblätter werden auch in einigen Reformhäusern oder als gefriergetrocknetes Kraut verkauft. Löwenzahntee, Kapseln und Tinkturen sind ebenfalls erhältlich.

Studien um die Wirkung des Löwenzahns

Löwenzahn (Taraxacum officinale) zählt zu den Phytodrogen, bei denen starke choleretische (gallenbildende) und cholagoge (gallenentleerende) Wirkungen nachgewiesen wurden.

Verdauungsfördernd und gallenstimulierend

Die enthaltenen Bitterstoffe stimulieren die Gastrin-, Gallen- und Pankreassekreten, wodurch die Verdauungsprozesse generell angeregt und gefördert werden (Wagner, 2003)). Löwenzahn zeigt außerdem hemmende Effekte auf Lebertumorzellen und eine Erhöhung des Tumor-Nekrose-Faktors (Koo,2004; Yoon, 2015). Es wird seit Tausenden von Jahren als Lebensmittel und Medizin zur Behandlung von Anämie, Skorbut, Hautproblemen, Bluterkrankungen und Depressionen gegessen.

Harntreibend

Dieses unkrautartige Superfood ist ein natürliches Diuretikum, das den Nieren hilft, Abfall, Salz und überschüssiges Wasser zu beseitigen, indem es die Urinproduktion und die Häufigkeit des Urinierens erhöht. Auf Französisch heißt es Pissenlit, was grob übersetzt „das Bett nass machen“ bedeutet. Dies hemmt das mikrobielle Wachstum im Harnsystem und beugt Harnwegsinfektionen vor. Der Löwenzahn ersetzt auch einen Teil des dabei verlorenen Kaliums. In einer 2009 durchgeführten Studie wurde freiwilligen Probanden hochwertiger hydroethanolischer Extrakt aus frischen Löwenzahnblättern verabreicht. Die Ergebnisse zeigten, dass der Urinausstoß und die Häufigkeit in zwei von drei Fällen zunahmen, in denen Löwenzahnextrakt aufgenommen wurde (Bevin, 2003).

Cholestrinsenkend

Tierstudien konnten zeigen, wie die Einnahme von Löwenzahn den Cholesterinspiegel senkt, kontrolliert und gleichzeitig die Cholesterinratios durch Erhöhung des HDL verbessert (Choi,2010).

Löwenzahn fördert die Entgiftung der Leber und des Körpers

Löwenzahn wird in der Volksmedizin aufgrund seiner Bitterstoffe zur Entgiftung des Körpers und der Leber eingesetzt. Daher setzen viele Menschen die Heilpflanze bei Frühjahrskuren und Fastenkuren ein, um die Leber zu reinigen und den Körper zu entschlacken beziehungsweise zu entgiften. Löwenzahn fördert das Lösen von Schlacken aus dem Gewebe und unterstützt die Leber dabei, die Gifte so abzubauen, dass sie aus dem Körper befördert werden können (Colle,2012).  Löwenzahn hat ferner eine gallenfördernde Wirkung. Das bedeutet, er regt die Produktion der Gallenflüssigkeit in der Leber an, führt dazu, dass die Gallenflüssigkeit schön dünnflüssig bleibt und verbessert den Fettstoffwechsel, hilft also beim Abbau z. B. einer Fettleber (in Verbindung mit einer passenden Ernährung).

Gegenanzeigen

Löwenzahn gilt allgemein als sicher in Bezug auf Lebensmittel und Arzneimittel. Einige Menschen können allerdings allergische Reaktionen auf Löwenzahn haben. Jeder, der eine Allergie gegen Chrysanthemen, Ringelblumen, Kamille, Schafgarbe oder Gänseblümchen hat, sollte Löwenzahn meiden. Schwangere oder Stillende oder Menschen mit verschreibungspflichtigen Medikamenten sollten mit einem Arzt sprechen, bevor er/sie seine/r Löwenzahn einnimmt.

Rezepte

 

Micro-fermentiertes Löwenzahnkraut

 

Eine lecker, gesunde Bereicherung als Beilage zu unserem Lieblingsessen.

 

Zutaten

 

ï      4 Tassen zartes Löwenzahngrün

ï      4 Tassen zerkleinerter Rotkohl

ï      1/2 EL Salz

ï      1 Esslöffel Wacholderbeeren

ï      1 Esslöffel ganzer Piment

ï      4–6 Tassen Wasser

ï      1 Messlöffel Micro-Fermentations-Beschleuniger

ï      Beschwerer

 

Zubereitung

 

ï      Löwenzahn, Kohl, Salz und Gewürze vermengen und in Micro-Fermentations-Glas geben.

ï      Ein Messlöffel eines Micro-Fermentations-Beschleunigers hinzugeben.

ï      Füge genügend Wasser hinzu, um den Löwenzahn und den Kohl zu bedecken.

ï      Lege einen Beschwerer über die Mischung.

ï      Verschließe das Micro-Fermentations-Glas mit der Membran und lasse alles verschlossen 4-10 Tage stehen.

 

Micro-fermentierter Löwenzahn Detox Smoothie

 

Ein wohltuender, leberreinigender, kraft schenkender Drink.

 

Zutaten

 

ï      6 Tassen Wasser

ï      1 Banane

ï      1 reife Birne

ï      2 Tassen Löwenzahngrün

ï      2 Tassen Spinat

ï      1 cm frischer Ingwer, geschält

ï      1 Messlöffel Micro-Fermentations-Beschleuniger

 

Zubereitung

 

1. Bereiten alle Ihre Zutaten am Abend vor.

2. Gebe alle Zutaten in Deinen Hochleistungsmixer und gib ein Messlöffel Micro-Fermentations-Beschleuniger dazu.

3. Mische alle Zutaten, bis sie glatt und cremig sind.

4. Fülle den Smoothie in eine mebranverschlossenes Micro-Fermentations-Glas.

5. Lasse den Smoothie bis zum nächsten Morgen bei Zimmertemperatur stehen.

6. Genieße ihn sofort oder stelle in bis zur Verwendung in den Kühlschrank.

 

Löwenzahnblättertee

 

Oder ganz einfach genossen als:

 

Zutaten und Zubereitung:

 

ï      Gib einen gehäuften Teelöffel der getrockneten und zerkleinerten Blätter

ï      in einen Teefilterbeutel, Ei oder Netz und hänge ihn in eine große Tasse

ï      Gieße kochendes Wasser darüber und lass den Tee 10 Minuten ziehen

ï      Nimm die Blätter heraus und trink langsam den Tee

 

 

Löwenzahnwurzeltee

 

ï      Sammele Löwenzahnwurzeln (Am besten im Frühjahr vor der Blüte, doch sind sie auch später noch verwendbar)

ï      Schneide sie in Längsstreifen und trockne sie innerhalb weniger in der Sonne oder in einem Dörrautomat

ï      Setzte davon 2 TL pro Tasse über Nacht in kaltem Wasser an

ï      Koch am nächsten Tag den Tee kurz auf. Gieße ihn dann ab und trinkt davon täglich mindestens drei Tassen über den Tag verteilt

Quellen

  • Barnes J, Anderson LA, Phillipson JD. Herbal Medicines. London: Pharmaceutical Press, 2002
  • Bevin A. Clare, Richard S. Conroy, and Kevin Spelman. The Diuretic Effect in Human Subjects of an Extract of Taraxacum officinale Folium over a Single DayThe Journal of Alternative and Complementary Medicine.Aug 2009
  • Chatterjee SJ et al., The efficacy of dandelion root extract in inducing apoptosis in drug-resistant human melanoma cells, Evid Based Complement Alternat Med. 2011;2011:129045. Epub 2010 Dec 30
  • Cho AS et al, Chlorogenic acid exhibits anti-obesity property and improves lipid metabolism in high-fat diet-induced-obese mice., Food and Chemical Toxicology, 2010 Mar;48(3):937-43
  • Choi U , Lee O , Yim J , Cho C , Rhee Y , Lim S,  Kim Y ; Hypolipidemic and Antioxidant Effects of Dandelion (Taraxacum officinale) Root and Leaf on Cholesterol-Fed Rabbits, Int. J. Mol. Sci. 2010, 11(1), 67-78
  • Clare BA et al, The diuretic effect in human subjects of an extract of Taraxacum officinale folium over a single day., Journal of Alternative and Complementary Medicine, 2009 Aug;15(8):929-34
  • Colle D et al, Antioxidant properties of Taraxacum officinale leaf extract are involved in the protective effect against hepatoxicity induced by acetaminophen in mice., Journal of Medicinal Food, 2012 Jun;15(6):549-56
  • Davaatseren M et al, Taraxacum official (dandelion) leaf extract alleviates high-fat diet-induced nonalcoholic fatty liver., Food and Chemical Toxicology, 2013 Aug;58:30-6.
  • Fraisse D, Felgines C, Texier O, Lamaison J. Caffeoyl derivatives: major antioxidant compounds of some wild herbs of the Asteraceae family. Food Nutr Sci. 2011;2011:181–192. 
  • Gonzalez-Castejon M, Visioli F, Rodriguez-Casado A. Diverse biological activities of dandelion. Nutr Rev. 2012;70(9):534–547
  • He W et al, Anti-influenza virus effect of aqueous extracts from dandelion, Virology Journal, 2010
  • Jia YY et al, Taraxacum mongolicum extract exhibits a protective effect on hepatocytes and an antiviral effect against hepatitis B virus in animal and human cells., Molecular Medicine Reports, 2014 Apr;9(4):1381-7
  • Kenny O et al, Characterisation of antimicrobial extracts from dandelion root (Taraxacum officinale) using LC-SPE-NMR., Phytotherapy Research, 2015 Apr;29(4):526-32.
  • Koh YJ et al, Anti-inflammatory effect of Taraxacum officinale leaves on lipopolysaccharide-induced inflammatory responses in RAW 264.7 cells., Journal of Medicinal Food, 2010 Aug;13(4):870-8
  • Koo, H. N. et al. 2004. Taraxacum officinale induces cytotoxicity through TNF-alpha and IL-1alpha secretion in Hep G2 cells. Life Sci. 74(9):1149-57.
  • Liu Q et al, Effects of Dandelion Extract on the Proliferation of Rat Skeletal Muscle Cells and the Inhibition of a Lipopolysaccharide-Induced Inflammatory Reaction, Chinese Medical Journal, 2018 Jul 20; 131(14): 1724–1731
  • Ovadje P, Chochkeh M, Akbari-Asl P, et al, Selective induction of apoptosis and autophagy through treatment with dandelion root extract in human pancreatic cancer cells, Pancreas
  • Park CM et al., Amelioration of oxidative stress by dandelion extract through CYP2E1 suppression against acute liver injury induced by carbon tetrachloride in Sprague-Dawley rats, Phytother Res. 2010 Sep;24(9):1347-53
  • Schütz K, Carle R, Schieber A. Taraxacum – a review on its phytochemical and pharmacological profile. J Ethnopharmacol. 2006;107(3):313–32
  • Sigstedt SC et al., Evaluation of aqueous extracts of Taraxacum officinale on growth and invasion of breast and prostate cancer cells, Int J Oncol. 2008 May;32(5):1085-90
  • Wagner, H., Wiesenauer, M. 2003. Phytotherapie. Phytopharmaka und pflanzliche Homöopathika.
  • Westerman L, Roddick JG. Annual variation in sterol levels in leaves of Taraxacum officinale Weber. Plant Physiol. 1981;68(4):872–875. 
  • Williams C, Goldstone F, Greenham J. Flavonoids, cinnamic acids and coumarins from the different tissues and medicinal preparations of Taraxacum officinale. Phytochemistry. 1996;42(1):121–127. 
  • Wirngo FE et al, The Physiological Effects of Dandelion (Taraxacum Officinale) in Type 2 Diabetes, Journal of the Society for Biomedical Diabetes Research, 2016; 13(2-3): 113–131
  • Yang Y et al, Dandelion Extracts Protect Human Skin Fibroblasts from UVB Damage and Cellular Senescence., Oxidative Medicine and Cellular Longevity, 2015;2015:619560
  • Yoon, J. et al. 2015. Novel TRAIL sensitizer Taraxacum officinale F.H. Wigg enhances TRAIL-induced apoptosis in Huh7 cells. Molecular Carcinogenesis. 55(4):387-396.

Schreibe einen Kommentar